Riccardo Giacconi

Eröffnung, 27. September 2022
Ausstellung, 28. September – 4. November 2022

In seiner auf langfristigen Recherchen angelegten künstlerischen Praxis verknüpft der Künstler Riccardo Giacconi unterschiedliche zeitliche und/oder örtliche Momente miteinander. Er bedient sich der Mittel der Narration und der Rhetorik, um Bruchlinien des menschlichen Zusammenlebens und der Geschichte des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen: Was haben das Verschwinden einer Kuh, die Besessenheit von einer Marionette, ein Paradoxon in der Quantenphysik und der Sturz eines Busses in einen Fluss miteinander zu tun? Wie finden ein italienischer Musiker aus den 1980er-Jahren, technologische Neuerungen, die Commedia dell’Arte und Giambattista Tiepolo zueinander? Welche Verbindungslinien lassen sich zwischen folkloristischem kolumbianischem Puppentheater und einem Soldaten, der sich weigert, in einen Kolonialkrieg nach Libyen zu ziehen?

Riccardo Giacconi arbeitet mit der Fiktion, der Abstraktion und dem Geschichtenerzählen. Er betrachtet die heute herrschenden gesellschaftspolitischen Verhältnisse unter der Linse vergangener Ereignisse und fasst die sich zu erkennen gebenden Muster in der Geschichte Europas zu neuen poetischen Momenten zusammen. Der Künstler verwebt seine Filme, Objekte und Archivrecherchen im Ausstellungsraum zu vielschichtigen installativen Erzählungen, wobei ihm stets bewusst ist, dass die Erzählung als künstlerische Form für die Erschließung der Welt konstitutiv ist. Riccardo Giacconi erzählt also nicht nur nach, sondern entwirft eine neue Welt durch seine eigenen Erzählungen.

Riccardo Giacconi (* 1985 in Italien) lebt und arbeitet in Italien.
www.riccardogiacconi.com

 

Riccardo Giacconi, Diteggiatura, 2021