Doppelter Boden

Gaukler*inen lassen Dinge in unsichtbaren Zwischenböden verschwinden; Artist*innen verzichten bei riskanten Sprüngen durch die Luft ohne Netz auf jegliche Absicherung; Trickster sind doppelbödige Charaktere, die immer neue Mittel und Wege finden, um aus guten Gründen, jedoch stets mit einer gewissen Durchtriebenheit, die gegebene Ordnung zu unterwandern. Um zu stören. Die Wendung des „doppelten Bodens“ ruft Bilder aus dem Bereich des Schaustellens oder der Mythologie und Folklore auf. Im Kunstraum Lakeside, einem Ort, der sich seit seiner Gründung im Spannungsfeld von Kunst, Wirtschaft und Technologie bewegt, wird im Jahresprogramm 2023 der nicht ganz so trittfeste Untergrund, werden die brüchig gewordenen Verbindungslinien der Gesellschaft, zum Thema gemacht.

 
Michail Michailov — on the other side
Eröffnung, 7. März 2023, 19 Uhr
Ausstellung, 8. März – 14. April 2023

UBERMORGEN
Eröffnung, 27. April 2023, 19 Uhr
Ausstellung, 28. April – 2. Juni 2023

Statement #21 | Sven Bergelt — @basjanader_#I‘mtstty
Performance, 13. Juni 2023

Statement #22 | Elke Auer & Daniel Hafner — Modern People
Performance, 20. Juni 2023

Wörthersee, Wörtersee — Gruppenausstellung, kuratiert von Robin Waart
Eröffnung, 4. Juli 2023, 19 Uhr
Ausstellung, 5. Juli – 22. September 2023

Stephanie Misa
Eröffnung, 3. Oktober 2023, 19 Uhr
Ausstellung, 4. Oktober – 10. November 2023

Barbara Kapusta
Eröffnung, 21. November 2023, 19 Uhr
Ausstellung, 22. November 2023 – 12. Jänner 2024

 
Ausgehend von einer seiner charakteristischsten architektonischen Voraussetzungen rückt der Kunstraum Lakeside gegenwärtige Existenzmodelle in den Mittelpunkt des aktuellen Programms. Ebenso wie der tatsächliche Fußboden des Raums, einmal geöffnet, Einblick in die darunterliegende technische Infrastruktur gewährt, stellen Werke der eingeladenen Künstler*innen die grundlegenden Bedingungen heutiger Lebenswelten zur Schau. In Doppelter Boden geht es um wirklichkeitsherstellende Performances, die sowohl im analogen wie im digitalen Raum wirksam sind. Mit dem Jahresprogramm werden Fragen zu technologischen und/oder sozialen Skripts aufgeworfen, die die individuellen Lebenszusammenhänge im 21. Jahrhundert präfigurieren. Es geht nicht zuletzt auch um die Fragilität des menschlichen Körpers, um seine Verletzlichkeit.

Das Ausstellen an einem Ort wie dem Kunstraum Lakeside mit dem Schaustellen am Jahrmarkt kurzzuschließen, ermöglicht es, Ambivalenzen ans Licht zu bringen – sowohl im Hinblick auf jene Personen, die Kunst produzieren, als auch jene, die sie betrachten und zeigen. Alle Protagonist*innen sind miteinander verstrickt, was es unmöglich macht, den Kunstraum Lakeside – wie jede andere Stätte der Kunstproduktion auch – als Ort zu imaginieren, an dem von außen und damit distanziert und körperlos techno-soziale Phänomene reflektiert werden. Vielmehr handelt es sich um eine Bühne und ein Auditorium, wo Akteur*innen und Publikum in einer an Theaterproben erinnernden Situation zusammenfinden und gleichermaßen involviert sind.

Einer Probe beizuwohnen, „ob als Regisseurin, Schauspieler, Technikerin oder Souffleur“, bedeutet soviel wie „Zuschauer und zugleich Akteur zu sein. Diese wechselseitige Beobachtungsposition eröffnet eine Verschaltung von Produzieren und Reflektieren, die einen Wechsel von Fremd- und Selbstbeobachtung ermöglicht. In diesem Sinne lässt sich die Probe als eine Reihe von Aufführungen fassen, die immer wieder neue Beobachtungskonstellationen in Szene setzen.“* Die Unsicherheiten und mehrdeutigen Situationen, das Provisorium sowie die Möglichkeit des Scheiterns und des experimentellen Handelns, all diese Begleiterscheinungen, die die Probe im Unterschied zur realen Darbietung vor Publikum kennzeichnen, sollen mit Doppelter Boden zur Aufführung gebracht werden.

*Annemarie Matzke, “Proben,” in: Künstlerische Forschung. Ein Handbuch,
Hg. Jens Badura et al., Zürich und Berlin: Diaphanes 2015, 189–192, hier: 189.

 
 
 
Der Kunstraum Lakeside widmet sich jährlich einem spezifischen Thema, das aus den institutionellen Besonderheiten dieses Ausstellungs-, Performance- und Diskursraums hervorgeht. Die Anbindung an einen Wissenschafts- und Technologiepark sowie die Verknüpfung des Veranstaltungs- mit dem Semesterprogramm der Universität Klagenfurt wirft Fragen danach auf, wie bildende Künstler*innen heute die Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen von Wissensproduktion ausloten. Das Programm konzentriert sich auf Handlungsfelder, die mit dem Begriff der „künstlerischen Forschung“ zusammengefasst werden. Künstlerische Forschung ermöglicht, wie Kunst ganz allgemein, ästhetische Erfahrung. Zusätzlich räumt sie aber auch die Möglichkeit ein, innerhalb der jeweiligen Kunstpraxis – das heißt innerhalb der eigenen Medien, Formate und Darstellungsformen – über die Rahmenbedingungen des eigenen Tuns nachzudenken und das eigene Handeln im Blickfeld zu behalten. Eingebettet in soziale, historische und kulturelle Bedeutungszusammenhänge erlaubt sie folglich, auf die sich permanent verändernden Gegebenheiten unserer Gesellschaft zu reagieren.

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