Kathi Hofer — Cabin Essence

Eröffnung, 21. März 2019, 19 Uhr
Ausstellung, 22. März – 26. April 2019

In ihrem Werk greift Kathi Hofer bereits existierende, „gebrauchte“ Materialien und Ideen auf, um diese nach sorgfältiger Bearbeitung wieder in jenen produktiven Kreislauf einzuschreiben, aus dem sie sie zuvor herausgelöst hat. Einem Recyclingverfahren gleich drehen sich ihre künstlerischen Fragestellungen um Prozesse kultureller und künstlerischer Produktion und nicht zuletzt um den kreativen Akt. Die Künstlerin eignet sich konkrete Verfahren der Bedeutungsproduktion an und extrahiert daraus Muster, die sie wiederum ihrer eigenen Kunstproduktion und damit einhergehend der Produktion von Bedeutung zuführt.

Kathi Hofers Fotografien, Installationen und Objektarrangements zirkulieren um kunstimmanente Fragestellungen, die ihren Gegenstand – die Kunst und ihre Identifikationspotenziale – jedoch selbst bis zum Äußersten dehnen. Die Künstlerin nimmt dabei Bezug auf ebenso konkrete wie unterschiedliche Vorbilder – von René Magritte und den Modedesigner Kenzo über die Strickerei ihrer eigenen Familie, die in der Erfindung und seriellen Produktion des „Hofer Jankers“ einen sogenannten „Austrian Style“ mitprägten, bis hin zu jenen anonymen AutorInnen, die im Internet „Fanfiction“ verfassen. Historische wie aktuelle Positionen gelangen gleichermaßen in Kathi Hofers unhierarchischen Fokus. In ihrer Wiederholung schleifen sich die referenzierten Praktiken zu Mustern ein – und verbinden sich zu komplexeren Themen.

In der Ausstellung Cabin Essence im Kunstraum Lakeside geht Kathi Hofer von Kalifornien als Imaginationsraum und Sinnhorizont aus. Sie verknüpft den mit Fortschritt und Neubeginn, wirtschaftlicher Dynamik, Entdeckerlust und Selbst(er-)findung assoziierten „kalifornischen Traum“ mit ihrer eigenen Arbeit im Atelier und mit den realen und vorgestellten Räumen der bildenden Kunst. Hofers besonderes Interesse gilt der Stadt Pioneertown in der Mojave Wüste, die die Künstlerin in den vergangenen zwei Jahren mehrfach besuchte, um Fotoaufnahmen und Field Recordings zu machen. In den 1940er-Jahren von den drei Hollywoodschauspielern Dick Curtis, Roy Rogers und Russell Hayden als Western-Filmkulisse und gleichzeitig als „reale“ Stadt konzipiert und erbaut, vermischen sich historische und genrehafte Formen, kommerzielle und gemeinschaftliche Elemente zu einem architektonischen und sozioökonomischen Gebilde. Als mittlerweile selbst legendäre Nachbildung einer noch älteren Legende nimmt Pioneertown entlang ihrer Fassaden eine kippbildhafte Optik an, in der sich die zwei den Repräsentationsstil des „amerikanischen Westens“ bis heute prägenden Mythen – der kalifornische Goldrausch Mitte des neunzehnten Jahrhunderts und die goldene Ära des Hollywood-Studiosystems Mitte des zwanzigsten – abwechselnd zeigen.

In ihrer raumgreifenden Installation im Kunstraum Lakeside integriert Kathi Hofer fotografische und gezeichnete Bilder, modellhafte Nachbauten und Objets trouvés, um im Zusammenspiel dieser Ausstellungselemente Innen- und Außenräume ineinander zu blenden. Dabei nimmt sie minimale, reflektierte Perspektivwechsel vor, (re-)kalibriert Einstellungen, um den Blick für den konzeptuellen Zusammenhang ihrer Schau wie den räumlichen Kontext des Ausstellungsraums zu schärfen, misst Abstände und Verhältnisse. Bleistift, Spiegel und Papier kommen als Werkzeuge der Selbstreflexion zum Einsatz und finden selbst als „Werke“ Eingang in das Setting. Es sind einfache, aus dem Alltag stammende Gegenstände und Materialien, die in ihrer Bedeutung, in ihrem Wert, über sich hinausweisen: als Embleme des künstlerischen (Selbst-)Entwurfs oder in die Zukunft gerichteter Projekte. Kathi Hofers Arbeitsweise ist die „kleine Form“ – die Bricolage, das Modell oder das Rollenspiel –, mit der sie die monumentalen Formen und großen Narrative nachahmt und im Nachahmen nachvollzieht.

Eine weitere Methode, die sich durch Kathi Hofers Arbeiten zieht, ist die Praxis der Aneignung durch namentliche Zuschreibung. Der Titel Cabin Essence, mit dem sie diese Schau überschreibt, steht in dieser Linie der Appropriation. Er nimmt am gleichnamigen Song der kalifornischen Band The Beach Boys Anleihe, der 1966 unvollständig aufgenommen und erst Jahrzehnte später, umbenannt in Cabinessence, veröffentlicht wurde. Kathi Hofer kombiniert den Titel auf der Einladungskarte mit zwei Bildern, für die sie den Zeichner Daavid Mörtl damit beauftragte, diese „Cabin Essence“ für sie zu illustrieren. Die beiden Zeichnungen funktionieren wie das Cover eines Buches oder Albums: als Rahmung eines Zusammenhangs.

Dank an Jayne Hayes und Daniel Paul.

Kathi Hofer (* 1981 in Österreich) lebt und arbeitet in Berlin und Wien.
www.kathihofer.com

 

Kathi Hofer, Cabin Essence, 2019, illustriert von Daavid Mörtl

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