Statement #12 | Verlag für Handbücher — Sicheres Arbeiten

Pop-up-Ausstellung und Performance, 15. Dezember 2020, 12–20 Uhr
(Performance um 18 Uhr)

Betriebsanleitungen, Gebrauchsanweisungen, technische Dokumentationen, Dienstanweisungen, Packungsbeilagen oder Komplettlösungen … solche und ähnlich pragmatische, an Effizienz orientierte Druckwerke sammelt der von Anna Romanenko, Björn Kühn und Oliver Kraft 2014 in Stuttgart gegründete Verlag für Handbücher. Selbst erklärtes Ziel ist es, entlang des Mediums von Künstler*innenbüchern „Mechanismen der Veränderbarkeit“ zu untersuchen und dabei „Labor des Funktionierens“ zu sein. Darüber hinaus veröffentlicht das Kollektiv Bücher, die sich mit der Rhetorik des Handbuchs und seiner ästhetischen Dimension auseinandersetzen. Ähnlich wie der Kunstraum Lakeside widmet sich der Verlag für Handbücher einem sehr spezifischen Segment künstlerischen Schaffens. Ist der Kunstraum an Forschung an der Schnittstelle von Wirtschaft, Technologie und Kunst interessiert, erforscht der Verlag für Handbücher die aus technologisch-wirtschaftlichen Kontexten stammende Bedienungsanleitung als besondere Form unter den literarischen Gattungen.

Ausgehend von seinem Archiv gedruckter Handlungsanweisungen, das auch als reisende Präsenzbibliothek organisiert ist, zeigt der Verlag für Handbücher mit Sicheres Arbeiten im Kunstraum Lakeside eine Bearbeitung seiner Handbücher in einem bühnentauglichen Skript und in einer raumgreifenden Installation. 
Im Rahmen der Pop-up-Ausstellung und der Performance stellen Anna Romanenko, Björn Kühn und Oliver Kraft ihr künstlerisches Handeln mittels Büchern und Aufführungen – oder vielmehr mittels Handbüchern und Ausführungen – zur Disposition. „Das Handbuch ist Protokoll und Erinnerung, Entwurf und Analyse der Performance. Der Benutzer ist ein Akteur, zuweilen auch Autor des Buches“, so das Kollektiv über seine Auseinandersetzung mit den Eigenheiten und Charakteristika seines Untersuchungsgegenstandes, bei dem auffällt, „dass das Lesen eines solchen nie ein kontemplatives, versinkendes sondern immer ein Aufschauen vom Buch in die Welt ist sowie eine vorgeschlagene Handlung beinhaltet“.

Für den Kunstraum Lakeside wird in der Performance Sicheres Arbeiten der Fokus auf die Dramaturgie eines Theaters der Bedienbarkeit gelegt. Der Verlag für Handbücher veranschaulicht dies in Form einer räumlichen Inszenierung der reisenden Bibliothek sowie in Form einer Vortragsperformance zur Grundproblematik des Handbuches als zentrales textliches Format der technisch-rationalen Moderne: „Das Handbuch selbst“, so die Verlagsgründer*innen, „kann seinen Anspruch auf sinnliche Gewissheit, seine Deutungshoheit des Alltäglichen nur bewahrheiten, indem es seine eigene Textlichkeit negiert. Dies geht einher mit der Nichtbeachtung und dem Nichtgelesenwerden von Gebrauchsliteratur im Allgemeinen.“ Einer solchen Negation, auch im Feld der Literatur, setzt der Verlag für Handbücher seine performative Lesung entgegen.

Verlag für Handbücher
2014 von Anna Romanenko, Björn Kühn, Oliver Kraft gegründet, Stuttgart
www.verlagfuerhandbuecher.de

 

Verlag für Handbücher, Waschtrommeldrehung, 2019

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