Gülsün Karamustafa — Quality Pencils and Words of Wisdom

Gülsün Karamustafas Pencil Vending Machines-Automaten, die für 50 Cent hölzerne und unlackierte Bleistifte ausspucken – sind in einigen Gängen und Aufenthaltsräumen des Lakeside Parks und der Universität angebracht. Die Künstlerin bringt mit den schon anachronistisch erscheinenden Geräten und ihren einfachen, traditionellen Arbeitsmitteln ein historisierendes Moment in die gegenwarts- und zukunftsorientierte Arbeitswelt ein. Auf subtile Weise stellt Karamustafa in der für den Lakeside Park konzipierten Arbeit damit auch Wertfragen, die etwa das Verhältnis von Dauerhaftigkeit und Innovation betreffen, aber auch die Rolle von Werkzeug, Technik und Technologie in der Vermittlung von Mensch und Umwelt reflektieren.

Gülsün Karamustafa (* 1946 in der Türkei) lebt und arbeitet in Istanbul.

Andreas Fogarasi — Public Brands: Bordeaux

Das Projekt Public Brands beschäftigt sich mit dem Branding des Öffentlichen. In dem Maß, in dem sich das Selbstverständnis von Staaten, Regionen, Städten oder Stadtteilen zunehmend unternehmerisch definiert, ändern sich auch ihre visuellen Repräsentationen. Logos, Claims und Corporate Design ersetzen immer öfter traditionelle Insignien staatlicher Macht wie Wappen oder Flaggen. Der Tourismusbereich war der erste, der geografische Orte nach dem Vorbild von privaten Unternehmen als Marke zu positionieren suchte. Fogarasi veranschaulicht dies am Beispiel des Logos von Bordeaux, das als Symbol aus drei zusammengefügten Halbmonden bereits seit den dreißiger Jahren in der visuellen Geschichte der Stadt verankert ist.

Andreas Fogarasi (* 1977 in Österreich) lebt und arbeitet in Wien.

Dorit Margreiter — Die Sprache anschauen und/oder die Dinge lesen

Die Auftragsarbeit zeigt die Skizze Anatomy of a Dwelling (1965) von Reyner Banham in Zusammenarbeit mit François Gallegret als Anschauungsmaterial für Reyner Banhams Aufsatz The Unhouse, einem Text über den Zusammenhang von Design, Technologie und Architektur. Konkret ging es dabei um den Entwurf eines „Anti Hauses“, einem Haus das ausschließlich über seine Funktionalität definiert ist. Die Entscheidung darüber ob Technologie sichtbar sein soll, Teil des ästhetischen Entwurfs ist oder zugunsten einer anderen ästhetischen Lösung verschwindet, ist beim Gebäudekomplex des Lakeside Parks in mehrfacher Hinsicht vorhanden, einerseits durch den architektonischen Entwurf, andererseits durch die dort angesiedelten Firmen.

Dorit Margreiter (* 1967 in Österreich) lebt und arbeitet in Wien und Los Angeles.
www.doritmargreiter.net

Alice Creischer & Andreas Siekmann — Monopolartige Produktionen

Alice Creischer und Andreas Siekmann beziehen sich in den für den Lakeside Park konzipierten emaillierten Wandtafeln auf ein historisch bedeutsames Modell der Visualisierung ökonomisch-sozialer Verhältnisse – den 1930 publizierten Atlas Gesellschaft und Wirtschaft von Otto Neurath und Gerd Arntz, der die Entwicklung einer Bildstatistik mit der Kritik der ökonomischen Verhältnisse verknüpft hatte. Für die Wandtafeln übersetzen sie in Zusammenarbeit mit Student*innen von Prof. Paul Kellermann an der Universität Klagenfurt zwei Blätter aus diesem Atlas, die den monopolartigen Produktionen europäischer und außereuropäischer Länder gewidmet waren, in die gegenwärtigen Bedingungen einer Weltwirtschaft, in der die Nationalökonomien von der Dominanz transnationaler Konzerne abgelöst wurden.

Alice Creischer (* 1960 in Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin.
Andreas Siekmann (* 1961 in Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin.

Josef Dabernig — Einrichtung eines Kunstraums

Im Oktober 2005 wurde der Kunstraum Lakeside als Ergebnis einer zweijährigen Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsführung des Lakeside Science & Technology Park und den Kurator*innen Christian Kravagna und Hedwig Saxenhuber eröffnet. Der noch vor der Errichtung des Technologieparks ergangene Auftrag zur Erarbeitung eines Kunst-am-Bau-Konzepts ermöglichte die methodische und inhaltliche Abstimmung eines Kunstprogramms auf die Gegebenheiten des spezifischen Ortes und seiner Funktionen. Entworfen und eingerichtet von Josef Dabernig wurde der Kunstraum zum Zentrum einer kontinuierlichen künstlerischen und diskursiven Programmierung. Konzipiert als Raum für Präsentationen, Veranstaltungen, Ausstellungen, als Diskussionsplattform und für das Studium von projektbegleitender Literatur versteht sich der Kunstraum auch als eine zu Betriebszeiten offene Kommunikationszone.

Josef Dabernig (* 1956 in Österreich) lebt und arbeitet in Wien.
www.dabernig.net

Anna Jermolaewa & Manfred Grübl — Kinderspielplatz

Im Juli 2004 wurde ein geladener Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Bauvorhabens Kindergarten Außenbereich im Lakeside Park ausgelobt. Anna Jermolaewas und Manfred Grübls Entwurf wurde ausgewählt und 2005 ausgeführt. Der Kinderspielplatz nimmt auf die landschaftliche Gestaltung des Campus Bezug und referenziert auf die speziellen Eigenheiten des Parks und seiner Themen. Eine als Achter angelegte Dreiradautobahn, eine Hügellandschaft mit Rutsche, Sitzlounge, Sandspielflächen, Spielhäuser, Wasserspiele und Spielgeräte gehen nicht nur auf die Bedürfnisse der Kinder ein, sondern fügen sich in die naturnahe Umgebung bestens ein.

Anna Jemolaewa (* 1970 in Russland) lebt und arbeitet in Wien.
www.jermolaewa.com

Iris Andraschek & Hubert Lobnig — Herumkurven

Im Rahmen des Semesterschwerpunktes Mobilität und Kontrolle des Kunstraums Lakeside im Wintersemester 2007/2008 kooperierten die Künstler mit dem Research Seminar für Transportation Informatics, einer Einrichtung des Universitätsinstituts für Intelligente Systemtechnologien. Dort wurde in transdisziplinärer Forschung ein autonomer, selbst gesteuerter Wagen entwickelt. Ausgerüstet mit Kameras und Sensoren schickten die Künstler den Roboterwagen auf das Gelände zwischen Lakeside Park und Universität, es entstanden Überwachungsfilme aus einer ungewohnten Wahrnehmungsperspektive. Einige inszenierte Szenen irritierten, wie das Pferd zwischen den Gebäuden des Lakeside Parks. Pferdestärke gilt als Maß von Geschwindigkeit, hier wirkte die Erscheinung des Pferdes als Widerspruch zu den Entwicklungen in der Automobilindustrie.

Iris Andraschek (* 1963 in Österreich) lebt und arbeitet in Wien.
www.irisandraschek.com