Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová

Eröffnung, 20. Mai 2021, 19 Uhr
Laufzeit der Ausstellung, 21. Mai – 25. Juni 2021

„Wie fließt die Zeit? Treibt die Vergangenheit die Zukunft voran oder zieht die Zukunft die Vergangenheit nach sich?“ Anetta Mona Chişa und Lucia Tkáčová beantworten die von ihr selbst gestellte Frage mit einem Weder-Noch. „Vergessene Erinnerungen werden“, so die Künstlerinnen, „zu Zukunftsvisionen, während zukünftige Hirne und morgige Hände ihre eigene Vergangenheit erschaffen.“ Sie konkretisieren diese unentwirrbare Verflechtung von dem, was war, mit dem, was kommen wird, in einprägsamen Szenerien. Die eingesetzten Materialien, angewandten Verfahren und umgesetzten Formen lassen Zeit buchstäblich greifbar werden.

Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit setzten sich Tkáčová und Chişa mit dem radikalen Gesellschaftswandel auseinander, den das Wendejahr 1989 in osteuropäische Länder einleitete. Sie fragten danach, was es bedeutet, wenn lange Zeit gültige Zukunftsentwürfe plötzlich von ganz anderen Versprechen abgelöst werden und wenn sie sich auf persönlicher Ebene als gleichermaßen unrealisierbar erweisen. In jüngerer Zeit dehnen Chişa und Tkáčová ihre Perspektive auf Vergangenheiten weit vor unserer Zivilisation und Zukünfte lang nach unserer Gegenwart aus. Sie werfen damit einen Blick auf eine Welt, die entschieden nicht nur um die Menschen kreist. Neue Entitäten und Spezies betreten die Bühne und Funktionen von Kunst lassen sich erahnen, die weit außerhalb unseres derzeitigen Kunstbetriebs liegen. Die versammelten Artefakte scheinen zu verkünden, dass die derzeitige gesellschaftliche Ordnung einmal Vergangenheit sein wird. Wie das Ende dieses Zeitalters aussieht, bleibt offen. Die vorgestellten Erinnerungen an die Zukunft haben also die Möglichkeit, ihr Potenzial voll zu entfalten.

Anetta Mona Chişa und Lucia Tkáčová arbeiten seit 2000 zusammen.
Sie leben und arbeiten in Prag und Vyhne.
www.chitka.info

 

Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová, The Prophecy of Things (detail), 2017–2018