Agnes Fuchs — Robustesse et perfection

Eröffnung, 15. März 2018, 19 Uhr
Ausstellung, 16. März – 27. April 2018

Begleitprogramm, 13. April 2018, ab 16 Uhr
Lange Nacht der Forschung, Lakeside Park und Universität Klagenfurt

Agnes Fuchs setzt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit der Aneignung eines historischen Feldes sowie mit den Nachbildern auseinander, die dieses Feld bis heute produziert. Mit den Mitteln der Malerei, mit Videos und Installationen reaktiviert sie auf dieser symbolischen Ebene wissenschaftlich-technologische Instrumentarien, die für die Herausbildung aktueller digitaler Technologien verantwortlich sind. In der für den Kunstraum Lakeside konzipierten Ausstellung Robustesse et perfection greift Fuchs etwa Bedienungsanleitungen, Funktionsbeschreibungen und Handbücher für Oszilloskope, Computer, Stromversorgungsgeräte oder Messvorrichtungen aus den späten 1950er- bis in die 1980er-Jahre auf und analysiert die kulturhistorischen Implikationen dieser Vermittlungsmedien. Zentral dabei ist, dass die Künstlerin nicht nur die technologischen Geräte an sich, sondern vor allem ihre medial vermittelten Formen aufgreift. Die Bild-, Text- und Ideenwelten, die Logos und Bezeichnungen, die Visualisierungen wie etwa „Stücklisten“, Diagramme, Testergebnisse oder mögliche Ordnungssysteme, die sie den Druckwerken entnimmt, sind weder eindeutig technologisch-wissenschaftlich konnotiert, noch rein werblich-kommerziell.

Agnes Fuchs setzt mit Robustesse et perfection in einem Zwischenbereich an. Sie analysiert den erweiterten Kontext der von ihr ausgewählten Objekte und verhandelt ihre Bedingungen unter den veränderten Voraussetzungen des 21. Jahrhunderts neu. Ihre Untersuchungsobjekte sind häufig Messgeräte, die der Steuerung oder Signalübertragung dienen. Im Kunstraum Lakeside sind etwa „Panoramic Display“, die Displayeinheit eines Messempfängers zu sehen, oder ein „Servo Chart Recorder“, ein Schreiber zur Aufzeichnung eingehender Impulse. Diese Geräte sowie die sie charakterisierenden Gestaltungselemente sind in einen Kontext gebettet, dessen Ästhetik Fuchs in die Malerei überträgt und durch den Medienwechsel zur Disposition stellt und unterwandert. „Zu bestimmten Zeiten“, so die Künstlerin, „gibt es etwa in den technischen Journalen bestimmte Farben und Tonalitäten, die vorherrschen: ein Hammerschlaggrau, bestimmte Blautöne… Im Layout der Broschüren werden ganz bedacht ausgewählte Kontrastfarben eingesetzt, deren Qualität extrem hochwertig ist und die auch aus einer designhistorischen Perspektive interessant sind. All diese Aspekte haben für mich einen ebenso wichtigen und gleichrangigen Stellenwert wie die Funktionen der Geräte.“

Beschreibt man Agnes Fuchs‘ Werke in einem künstlerisch-forschenden Zusammenhang, wendet die Künstlerin einen kulturanthropologischen Blick auf Technologie an. Sie entwirft ein Panorama, das unterschiedlichsten Aspekten wie etwa der Designgeschichte, der Benutzung von Interfaces oder dem Sprachgebrauch, der sich um die Geräte aufspannt, Raum gibt: „In einem künstlerischen Bezugssystem wird die Historizität dieser technischen Objekte hervorgehoben und sie werden stärker in einem kulturellen oder kulturhistorischen Kontext bewertet als dies zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung üblich war. Wie diese Objekte und die mit ihnen verbundenen Vorgänge in einem gesellschaftlichen Zusammenhang gesehen werden, ist für mich nicht besonders zufriedenstellend. Technik ist natürlich Teil des kulturellen Gefüges und muss auch dementsprechend betrachtet und behandelt werden – das war lange eher polarisierend der Fall und hat auch heute populistische Tendenzen.“

Auch wenn sich die Methoden der Künstlerin am analogen Archiv orientieren, können ihre Werke sowohl inhaltlich wie auch formal-ästhetisch in einem postdigitalen Kontext situiert werden. Agnes Fuchs setzt sich mit Formen der Bereitstellung von Technologien auseinander, die heute obsolet geworden sind oder deren Funktionen sich in der Aufmachung neuerer Technologien aufgelöst haben. Mit der Ausstellung Robustesse et perfection untersucht sie die Konditionen des Postdigitalen im Prädigitalen und durchleuchtet in einem Kunstraum innerhalb eines Forschungskontextes wie dem des Lakeside Parks jenes Zeitfenster, das den Übergang vom Analogen ins Digitale markiert. Indem Fuchs die heute selbstverständlichen Funktionen der Geräte, ihr Erscheinungsbild oder ihren Gebrauch neu verhandelt, betreibt sie eine Form von Medienarchäologie, die in Zeiten, in denen technologische Vorgänge zusehends zum Verschwinden gebracht werden, aus einer aktuellen Perspektive relevanter denn je ist.

„Die Bilder, von denen ich ausgehe, haben auch einen Aspekt der Selbstrepräsentation so Agnes Fuchs über die Fragestellungen zum medialen Bild, die ihre Praxis auszeichnen: „Wie zeigt sich ein System zu verschiedenen Zeiten? Welche Bildpolitiken stehen hinter den Präsentationsmethoden? Was wird gezeigt – was nicht? Ich stelle diese Fragen zwar nicht explizit, sie sind aber ein Bestandteil meiner Arbeiten: Was kommt zum Vorschein und wie kommt etwas zum Vorschein, obwohl es eigentlich nicht gezeigt wird? Wer definiert die Bilder? Wo ist das Innerhalb, wo das Außerhalb des Bildes? Was passiert mit Bildern, wie werden sie benutzt, in welchen Kontexten zirkulieren sie? – Das ist gesellschaftspolitisch hochaktuell.“

Agnes Fuchs (* 1965 in Österreich) lebt und arbeitet in Wien und Berlin.
www.agnes-fuchs.com

 

Agnes Fuchs, Recherches : ensemble d‘exploration (objets, mots, formes) / Paris 2016–, 2017

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