Statement #09 | Michaela Schwentner — re-ASSEMBLY

Performative Setzung, 18. – 20. Mai 2020
Präsentation, 21. Mai – 10. Juni 2020

Historische, politische und soziale Mechanismen sind einem permanenten Wandlungsprozess unterworfen. Richtet man den Blick auf Details, stellen sich bestimmte gesellschaftliche Bewegungsmuster heraus. Die performative Installation re-ASSEMBLY von Michaela Schwentner erprobt, inwiefern diese Prozesse in den Ausstellungsraum überführt und damit sichtbar gemacht werden können. Dafür nutzt die Künstlerin vor Ort vorgefundenes Material und Elemente des Alltags und (re-)formatiert den Kunstraum Lakeside über mehrere Tage, wobei sie auf die Potenziale des im Titel angesprochenen Begriffs von „assembly“ als Versammlung, Ansammlung und Zusammenstellung verweist.

Zentrales Element dafür sind eine große Anzahl an vorhandenen Stühlen, die von Michaela Schwentner auf der Suche nach einem möglichst ausgewogenen Zustand im Raum immer wieder neu positioniert werden. Mit den Eingriffen von re-ASSEMBLY in den Ausstellungsraum hinterlässt die Künstlerin Spuren und schafft eine sowohl raumgreifende wie sich permanent verändernde Skulptur. Die im Zuge des Produktionsprozesses entstehenden Assemblagen werden in verschiedenen Entwicklungsphasen als räumliche Konstrukte bis hin zu einem vorläufigen Endresultat dokumentiert. Offen bleibt, ob die Kamera dabei Teil der Performance ist oder ob sie ausschließlich als Aufzeichnungsmedium für die performative Setzung der Künstlerin fungiert.

„Der Choreografie und dem Ablauf der Performance gehen Frage und Suche nach dem Abwesenden und seinen Affekten voraus: dem Wunsch nach Ausgewogenheit, Gleichheit, Sehnsucht, Utopie. Historische wie aktuelle politische und soziale Mechanismen und ihre Bewegungsmuster und -abläufe werden sichtbar gemacht; soziale und politische Kräfte formieren sich auf immer wieder neue und unterschiedliche Weise“, so die Künstlerin über re-ASSEMBLY. Die während der performativen Setzung entstandenen Rekonfigurationen des räumlichen und infrastrukturellen Gefüges des Ausstellungsraums können anhand von Filmsequenzen nachvollzogen werden. Es bleibt die Frage im Raum stehen, ob die jeweiligen Konstellationen von Elementen (gleichsam stellvertretend für alle möglichen Kräfte und Mechanismen innerhalb der Gesellschaft) je zu einer finalen Anordnung kommen können.

Michaela Schwentner (* 1970 in Österreich) lebt und arbeitet in Wien.
www.jade-enterprises.at

 

Michaela Schwentner, EUROPEAN STANDARDS / Miranda’s disappointment, 2020

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