Alice Creischer & Andreas Siekmann — Im Bauch der Raubtiere

Eröffnung, 27. November 2014, 18.30 Uhr
Ausstellung, 28. November 2014 – 14. Februar 2015

Zwölf Bilder und ein Video zur Geschichte der Monopolisierung von Saatgut. Ausgangspunkt dieser Arbeit zur fortschreitenden Privatisierung von Gemeingut ist die Eröffnung der Svalbard Global Seed Vault 2008 in Norwegen. Alice Creischer und Andreas Siekmann behandeln die Problematik unter Bezugnahme auf historische Untersuchungen zu Ökonomie, Politik und ihrer kritischen grafischen Darstellung aus der Zeit der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre. 2005, zur Eröffnung des Kunstraum Lakeside, haben Alice Creischer und Andreas Siekmann die Blätter 58 und 59 aus dem Atlas „Gesellschaft und Wirtschaft“ mit dem Titel „Monopolartige Produktionen europäischer und außereuropäischer Länder“ ausgewählt und sie zusammen mit Studierenden der Universität Klagenfurt in Bezug auf gegenwärtige Monopolbildungen an geistigem Eigentum, Patenten und Copyrights unter derzeitigen Bedingungen einer Weltwirtschaft, in der die Nationalökonomien von der Dominanz transnationaler Konzerne abgelöst wurden, aktualisiert. Daraus ist eine großformatige Arbeit mit Emailtafeln für den Vortragsraum des Lakeside Parks hervorgegangen sowie eine Publikation, die die Klagenfurter Recherchen zu diesen Monopolbildungen dokumentiert. Für ihre Ausstellung im Winter 2014/15 schließen die KünstlerInnen zehn Jahre später an diese Aktualisierung an und ergänzen sie mit einer Recherche zur Monopolisierung von Saatgut, die sie vor zwei Jahren begonnen haben. Die Recherche führt von den Anfängen der Agroindustrie in der „Dust Bowl“-Katastrophe der 1930er-Jahre in den USA bis zu den aktuellen Auswirkungen von Saatgutmonopolen auf die globale Agrarwirtschaft. Es ist eine Geschichte von Desastern und Katastrophen, wobei die Verursacher die Dynamik der Katastrophen zur Entwicklung von neuen „Demands“ und Produktivitätsregimen nutzen. Ausgangspunkt der Recherche war die Eröffnung des Global Seed Vault in Spitzbergen 2008, das ­vorgibt, die Saatgutdiversität der Welt zu bewahren, aber von den weltgrößten Saatgutmonopolisten, Syngenta, Monsanto und Pioneer, finanziert wird.

Alice Creischer (* 1960 in Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin.
Andreas Siekmann (* 1961 in Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin.

Kuratiert von Christian Kravagna und Hedwig Saxenhuber.